Glossar

Wer sich als Außenstehender ohne Vorerfahrungen mit Verbindungsstudententum beschäftigt, wird erstmal über eine Unmenge unverständlicher Wörter stolpern. Studentische Begriffe wie Kneipe, Bursche oder pauken haben schon lange den Weg in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden und teilweise einen Bedeutungswandel erfahren.

Schwieriger sieht es dann schon aus, wenn man erklären soll, was ein Fux oder Alter Herr ist und völliges Unverständnis und schmunzelndes Kopfschütteln werden wohl Begriffe wie Biehrehre, Coleurklau und Drachenfels beim Neuling in der Verbindungslandschaft hervorrufen.

Damit der geneigte Besucher einen leichten Zugang in den spannenden Jargon des Verbindungsstudentums finden möge, sind hier die wichtigsten studentischen Begriffe aufgelistet:

A

  • adH: auf dem Haus
  • Alter Herr: Berufstätiges Verbindungsmitglied
  • Aktiver: Verbindungsmitglied, das während seiner Aktivenzeit (bei der Leonensia vier Semester) an allen Veranstaltungen des Semesterprogramms teilnnimmt und diese vorbereiten hilft
  • Aktivitas: Gesamtheit der Aktiven einer Verbindung eines Semesters
  • Auspauken: Um einen gestohlenen Coleurgegenstand zurückzuerlangen, muss dieser gegen eine vorher festgelegte Biermenge freigetrunken werden

B

  • Bestimmungsmensur: Initiationsmensur bei pflichtschlagenden Verbindungen. Voraussetzung für den Erwerb der vollständigen Mitgliedschaft und Berechtigung zur Übernahme von Chargen. Die Paukanten werden von Fechtbeauftragten der jeweiligen Verbindungen im Hinblick auf Statur, Erfahrung und technischen Stand ausgewählt
  • Bibelschmeißer: Abfällige Bezeichnung für Mitglieder christlicher Verbindungen
  • Biercomment: Regelwerk, das von Korporation zu Korporation stark variiert und die Formen des Biertrinkens zwischen Verbindungsstudenten festlegt
  • Bierehre: Verleiht einer Person die vollen Kneiprechte. Bierehre kann vom Präsiden aberkannt werden und mit Bierverschiss bestraft werden
  • Biergericht: Fühlt sich ein Verbindungsstudent ins seinen Rechten als bierehrlicher Bursch verletzt, kann er die Errichtung eines Biergerichts einberufen, was ein äußerst langwieriger, hochkomplizierter und kostspieliger Vorgang ist
  • Bierimpotenz: Befreiung vom obligatorischen Bierkonsum auf einer Kneipe. Gründe können sein: Religiöse Überzeugung, Krankheit, anstehende Prüfungen usw.
  • Bierjunge: Wettkampf, bei dem es darum geht, ein Gemäß schneller als der Gegenüber zu trinken.
  • Bierrichter: Oberste Entscheidungsgewalt in einem Biergericht
  • Bierverschiss: Bierverbot als Strafe für ungehöriges Verhalten auf einer Kneipe
  • Bummeln gehen: Andere Verbindungen besuchen
  • Bursche: Vollständiges Verbindungsmitglied, das eine Burschenprüfung abgelegt hat
  • Buxe: Abfällige Bezeichnung für einen Verbindungsstudenten, der kein Corpsstudent ist

C

  • Chargia: Verbindungsvorstand. Meist gibt es einen Vorstand der Aktivitas, der Altherrenschaft und des Hausvereins. Bezeichnungen und Kompetenzen der Vorstandsämter schwanken stark von Verbindung zu Verbindung. Bei der Leonensia unterscheidet man zwischen dem X (Vorsitzender), dem XX (Schriftführer) und dem XXX (Kassenwart). Diese Bezeichnungen dienten früher dem Schutz vor Strafverfolgung, da vor der Kaiserreichsgründung 1871 Verbindungen in vielen deutschen Staaten wegen ihrer nationalen, freiheitlichen und demokratischen Ziele verfolgt wurden
  • Coleur: Mit Zirkel und Verbindungsfarben versehene Gegenstände
  • Coleurklau: Institutionalisierter Diebstahl von Coleurgegenständen anderer Verbindungen
  • Coleursemester: Gibt die Dauer der Mitgliedschaft in einer Verbindung wieder: 23 Jahre Verbindungsmitglied = 46 Coleursemester
  • Convent: (lat. convenire = zusammenkommen) Demokratisches Beschluss- und Wahlorgan. Man unterscheidet zwischen Conventen für die Aktiven, Burschen, Alten Herren und die Gesamtheit der Verbindungmitglieder
  • Curry: Abfällige Bezeichnungen für einen Corpsstudenten

D

  • Drachenfels: Abgegrenzter, meist erhöhter, Teil eines Raumes, der für das weibliche Geschlecht vorbehalten ist. Ein Drachenfelsen erlaubt Frauen, Veranstaltungen mit männlichen Teilnehmern (z.B. Kneipen) in gehörigem Abstand beizuwohnen

F

  • Fakultativ-schlagend: Obligatorischer Paukunterricht ohne Verpflichtung zur Mensur
  • Fechtcomment: Jede schlagende Verbindung hat ihren eigenen Fechtcomment, der festlegt, welche Regeln bei der Mensur zu beachten sind
  • Finkenschaft/Freie Studentenschaft: Unkorporierte Studenten
  • Freischlagend: Paukunterricht und Mensur werden weder verboten noch verlangt
  • Fritte: Verbindungsstudent, der durch schlechtes Benehmen, nachlässige Kleidung oder andere negative Eigenschaften auffällt
  • Fux: Mitglied auf Probe mit eingeschränkten Rechten und Pflichten
  • Fuxenulk: Alberner Spaß, der von den Füxen unter Leitung des Fuxmajors aufzuführen ist
  • Fuxenstall: Gesamtheit der Fuxenschaft eines Semesters oder ein rechtlich vom Rest der Kneipgemeinschaft abgegrenzter Bereich
  • Fuxenstunde: Vom Fuxmajor erteilter Unterricht zur Vorbereitung auf die Burschenprüfung
  • Fuxia: Fuxenschaft
  • Fuxmajor: Erster Ansprechpartner und Aufsichtsperson für neue Mitglieder. Ihm obliegt Keilarbeit, Erteilung von Fuxenstunden und der Vorsitz über den Fuxenstall auf Kneipen

I

  • Inaktiver: Verbindungsmitglied, das seine Aktivenzeit beendet hat, aber noch nicht im Berufsleben steht und von der Teilnahme an Veranstaltungen entbunden ist

K

  • Keilarbeit: Sämtliche mit der Anwerbung neuer Mitglieder verbundene Aktionen
  • Knattern: siehe Paulen
  • Kneipe: Ritualisiertes Trinkgelange mit Gesang und Klaviermusik
  • Kreuzkneipe: Kneipe zwischen zwei oder mehreren Verbindungen

L

  • Leibverhältnis: Jeder Fux wählt einen Verbindungsbruder zu seinem Leibburschen. Das Leibverhältnis soll den Zusammenhalt innerhalb der Verbindung stärken und dem Fux helfen, sich leichter in der Verbindung zurechtzufinden und wird durch Zipfeltausch bekräftigt.
  • Leibfamilie: Durch Leibverhältnisse verbundene Mitglieder einer Verbindung. Beispiel: Achim ist Leibfux von Bernd. Bernd ist Leibfux von Carsten. Somit ist Carsten Leibopa von Achim.

M

  • Mensur: Streng reglementierter Fechtkampf. Initiationsritus und Mutprobe für neue Mitglieder schlagender Verbindungen
  • Mucken: Verbotene Ausweichbewegung bei der Mensur

N

  • Nichtschlagend: Das Schlagen von Mensuren ist untersagt

P

  • Pabst: Kotzbecken
  • Pabstat: Erbrochenes
  • Pabsten: Sich übergeben
  • Pauken: Fechttraining zur Mensurvorbereitung
  • Paukwart: Verbindungsstudentischer Fechtlehrer
  • Paulen: Beleidigen auf – nicht immer – akademischem Niveau. Wird gerne von Corpsstudenten praktiziert
  • Pflichtschlagend: Zur Erlangung der Mitgliedschaft muss eine festgelegte Anzahl von Bestimmungsmensuren geschlagen werden
  • Präsidium: Kneipleitung. Besteht gewöhnlich aus den Chargen der Aktivitas
  • Pressen: Schnell und viel trinken

R

  • Reinigungsmensur: Wenn ein Paukant während einer Mensur ausweicht oder mehrfach gegen technische Vorgaben verstößt, muss er eine Reinigungsmensur schlagen. Werden bei der Reinigungsmensur erneut Verstöße gegen den Fechtcomment festgestellt, kann dies zum Ausschluss aus der Verbindung führen
  • Ringkneipe: Kneipe zwischen zwei Verbindungen desselben Dachverbands

S

  • Salamander: Verbindungsstudentisches Trinkritual zu einem besonderen Anlass. Der Salamander beginnt gewöhnlich mit dem Kommando des Höchstchargierten, worauf alle Anwesenden gleichzeitig ihre Gläser leeren und danach hörbar auf dem Tisch aufsetzen
  • Satisfaktion: (lat. satisfactio = Genugtuung) Wiedergutmachmung einer Ehrverletzung mittels eines Waffenduells
  • Schläger: Verbindungsstudentische Fechtwaffe
  • Schmiss: Fechtnarbe
  • Stafette: Gemeinschaftsversion eines Bierjungen, bei der zwei Gruppen mit einer gleichen Anzahl Gemäße gegeneinander antreten. Die Stafette beginnt, nachdem sich die ersten zuprosten und endet, wenn die Teilnehmer beider Seiten ihre Gemäße nacheinander geleert haben.

V

  • Verabredungsmensur: Mensuren zwischen zwei Mitgliedern unterschiedlicher Verbindungen aufgrund vorheriger Absprache (persönliche Contrahage) oder mehreren Mitgliedern zweier Verbindungen (Pro-Patria-Suite)

W

  • Waffenring: Zusammenschluss schlagender Verbindungen meist eines Hochschulortes zur Vermittlung und Austragung von Mensuren

Z

  • Zipfel: Als Ausdruck der Freundschaft tauschen Verbindungsstudenten metallene Anhänger mit einem Coleurband, die am Hosenbund getragen werden. Zipfel enthalten einen eingravierten Text zu Namen der Tauschenden sowie Zeitpunkt und Anlass des Zipfeltausches. Nach seiner Burschung erhält jedes Verbindungsmitglied von seinem Leibburschen einen Bierzipfel, an dem alle weiteren Zipfel angebracht werden. Zipfel, die zwischen Burschen getauscht werden heißen Weinzipfel und sind halb so breit wie ein Bierzipfel